Mobiles Arbeiten und Homeoffice – wie geht es weiter?

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Die Coronapandemie hat der Digitalisierung in Deutschland einen Schub gegeben und viele Unternehmen mussten sich den neuen Arbeitsbedingungen anpassen – auch im Maschinen- und Anlagenbau.

Durch die steigende Impfquote kommen immer mehr Beschäftigte zurück ins Unternehmen. Doch die neue Arbeitswelt wird nicht mehr dieselbe sein wie vor der Pandemie. Auch im Maschinen- und Anlagenbau stellen sich immer mehr Firmen die Frage, wie zukünftig die Zusammenarbeit organisiert werden soll.

Der VDMA beschäftigt sich mit dieser Fragestellung und hat in Kooperation mit ProduktionNRW eine Umfrage erstellt. Noch bis zum 31. Oktober 2021 können Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau an der Befragung teilnehmen – und zwar deutschlandweit. Am 10. September 2021 hat der VDMA in Zusammenarbeit mit ProduktionNRW einen virtuellen Erfahrungsaustausch zu dieser Thematik organisiert, um die ersten Zwischenergebnisse zu präsentieren. Auf Grundlage der laufenden Umfrage stellen die Ergebnisse eher ein Stimmungsbild ohne Anspruch auf Repräsentativität dar.

In den Umfrageergebnissen wurde deutlich, dass es im Maschinen- und Anlagenbau überwiegend mobiles Arbeiten und Homeoffice angeboten wird. In vielen Unternehmen gab es Spannungen zwischen denen, die mobil arbeiten, und denen, die nicht mobil arbeiten. Trotzdem konnten in den Unternehmen weder eine Minderung noch eine Steigerung der Produktivität im Vergleich zur Präsenzarbeit festgestellt werden. Im zukünftigen Umgang mit mobilem Arbeiten hat die Mehrheit der Unternehmen noch keine Entscheidung getroffen. Viele Unternehmen erkennen den Wunsch ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, auch zukünftig mobil zu arbeiten. Die befragten Unternehmen erkennen im mobilen Arbeiten vor allem die Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität und die Flexibilisierung der Arbeitszeit als Chance. Die größten Risiken sehen die befragten Firmen im sozialen Beziehungsaufbau für neue Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeiter und in der Vermischung von Arbeit und Freizeit.

Andrea Veerkamp-Walz, Referentin der VDMA Business Advisory, ging in ihrem Impulsvortrag auf die zentralen Umfrageergebnisse ein und plädierte dafür, die Chancen der disruptiven Zeit zu nutzen. Gerade die Erhöhung der Arbeitgeberattraktivität, die Flexibilisierung der Arbeitszeit und die damit eingehende Stärkung der individuellen Gesundheit der Belegschaft sind von großer Bedeutung. Die Herausforderungen und Risiken sollten aktiv begegnet werden, indem das Unternehmen klare Ziele formuliert und die eigene Führung sowie Kultur daran anpasst. Außerdem können mögliche Spannungen im Unternehmen aktiv begegnet und Lösungen gemeinsam erarbeitet werden. Im weiteren Vorgehen sollte die Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau bewerten, wie diese mit New Work umgehen.

Als Beispielunternehmen diente Gebr. Becker GmbH aus Wuppertal für die Umsetzung im eigenen Haus. Eva Gerling, die dortinge HR Business Partnerin, stellte in ihrem Vortrag die Vor- sowie Nachteile und das weitere Vorgehen zum mobilen Arbeiten vor. Besonders das konzentrierte Arbeiten, die verbesserte Work-Life-Balance, die Zufriedenheit der Belegschaft und die Effizienzsteigerung durch die Digitalisierung wurden als Vorteile bewertet. Auf der anderen Seite stellten die abnehmende Identifikation mit dem Team sowie dem Unternehmen, die fehlende Trennung zwischen Arbeit und Privatleben sowie das Ungerechtigkeitsempfinden zwischen der Belegschaft, die nicht mobil arbeiten kann und denen, die mobil arbeiten, die wesentlichen Nachteile dar. In Zukunft wird Gebr. Becker daher ein hybrides Modell mit 60 Prozent Präsenz und 40 Prozent mobilem Arbeiten anbieten. Die Möglichkeit des mobilen Arbeitens und Homeoffice ist bei Gebr. Becker weder Recht für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch Zwang durch das Unternehmen. Die letzte Entscheidung liegt bei der zuständigen Führungskraft.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass sich die teilnehmenden Unternehmen momentan an einem entscheidenden Wendepunkt befinden. Für viele Unternehmensvertreterinnen und -vertreter war der Austausch über das weitere Vorgehen der anderen Firmen wichtig. Beispielsweise diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv über die Entscheidungseinbindung der eigenen Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeiter, dem Ungerechtigkeitsempfinden in der Belegschaft und der zukünftigen Nutzung beziehungswiese Organisation der Arbeitsfläche im Unternehmen. Auf Grundlage der momentanen Ungewissheit über die weitere Entwicklung wünschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen weiteren Austausch beziehungsweise Workshop zu diesem Thema. ProduktionNRW kommt diesem Wunsch nach und bietet für den 21. Januar 2022 einen Erfahrungsaustausch zum mobilen Arbeiten an.

Veranstalter

Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Kompetenznetz des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.