Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing wählt neuen Vorstandsvorsitzenden und erweitert ihren Vorstand

Arburg

Mitgliederversammlung reagiert mit Vorstandserweiterung auf das dynamische Wachstum der Arbeitsgemeinschaft - Industrievertreter erläutern Potentiale der additiven Fertigung im Automobilbau und Maschinenbau

Frankfurt/Main, 20.04.18 – Die Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing (AG AM) im VDMA hat einen neuen Vorstandsvorsitzenden: Christoph Hauck, Geschäftsführer der MBFZ toolcraft GmbH in Georgensgmünd, löst den bisherigen Vorsitzenden Ulli Klenk ab. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe und möchte sie nutzen, um die Industrialisierung additiver Verfahren und das dynamische Wachstum der Arbeitsgemeinschaft voranzutreiben“, erklärte Hauck letzte Woche nach seiner Wahl im Zuge der AG AM-Mitgliederversammlung. Dafür setze er auf konstruktive Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Vorstand und mit den mittlerweile 136 Mitgliedsfirmen.

Neuer erweiterter Vorstand

Die Mitgliederversammlung am Loßburger Hauptsitz des Kunststoffmaschinenbauers ARBURG hatte am letzten Donnerstag einstimmig die Erweiterung des bisher sechsköpfigen Vorstands beschlossen. Neu gewählt sind:

  • Patrick Diederich, Geschäftsführer der Sauer GmbH und der Realizer GmbH unter dem Dach von DMG MORI in Pfronten
  • Dr. Karsten Heuser, Vice President for Additive Manufacturing bei Siemens Digital Factory in Erlangen
  • Alexander Jakschik, Vorstand für Vertrieb und Finanzen bei der ULT AG in Löbau
  • Carsten Merklein, Verantwortlicher für den Bereich Additive Manufacturing bei der Schaeffler Technologies AG & Co. KG in Herzogenaurach

Neben den neuen Vorstandsmitgliedern führen der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Tobias Baur, Bereichsleiter Additive Manufacturing der TRUMPF Laser- und Systemtechnik GmbH in Ditzingen, Dr. Ioannis Ioannidis, Präsident und CEO der Oskar Frech GmbH & Co. KG in Schorndorf sowie Heinz Gaub, Geschäftsführer Technik der ARBURG GmbH & Co. KG ihre Vorstandsämter fort. Dagegen scheiden die bisherigen Vorstände Ulli Klenk (Siemens) und Dr. Eric Klemp (voestalpine) aus beruflichen Gründen aus. „Wir danken beiden für ihr Engagement. Insbesondere hat Ulli Klenk als Vorstandsvorsitzender der Anfangsjahre großen Anteil an der positiven Entwicklung unserer Arbeitsgemeinschaft“, erklärte Dr. Markus Heering, Geschäftsführer der AG AM im VDMA.

Anzahl und Vielfalt der Mitgliedsfirmen wächst dynamisch

Seit der Gründungsveranstaltung im Mai 2014 ist die Zahl der Mitglieder von 40 auf aktuell 136 gewachsen. „Fast monatlich stoßen neue Firmen hinzu. Heute sind alle Bereiche der additiven Wertschöpfungskette und verschiedenste Verfahren aus dem Metall- und Kunststoffbereich in unserer Arbeitsgemeinschaft vertreten“, erläuterte Rainer Gebhardt, Projektleiter der AG im VDMA. Davon sind 41 Prozent Nutzer von AM-Verfahren und AM-Bauteilen, die in erster Linie aus dem Maschinen- und Werkzeugbau, der Gießereitechnik und der Automobilindustrie kommen. Zweitgrößte Gruppe mit 22 Prozent sind Zulieferer von Materialien, Komponenten und Software. Dicht dahinter mit 18 Prozent folgen Dienstleister und Lohnfertiger. Daneben stellen AM-Anlagenbauer aus dem Metall- und Kunststoffbereich und Forschungsinstitute jeweils ein Zehntel der AG-Mitglieder. „Wir freuen uns, dass sich diese Vielfalt in unserem neu gewählten Vorstand widerspiegelt“, sagte Gebhardt. Das gelte auch für die Unternehmensgrößen: „Bei uns arbeiten Weltkonzerne, kleine und mittlere Betriebe oder Hochschulen direkt zusammen, um additive Technologien gemeinsam voranzubringen“, erklärte er.

Gastgeber Heinz Gaub, der die Arbeitsgemeinschaft seit der Gründung als Vorstand begleitet, zog ein zufriedenes Zwischenfazit: „Wir haben in den letzten vier Jahren erlebt, wie sich die AG immer weiter professionalisiert hat und wie Additive Manufacturing zu einem praxisrelevanten Produktionsverfahren gereift ist“, sagte er. Mitglieder profitierten in der Arbeitsgemeinschaft von schnellem Knowhow-Zuwachs, engen Erfahrungsaustausch und der gemeinsamen Arbeit an zukunftsrelevanten Themen wie der Automatisierung oder Standardisierung von AM. Jüngst hatte die Arbeitsgemeinschaft eine umfassende Roadmap zur AM-Smart-Factory vorgestellt, in die Knowhow und Fertigungserfahrungen von dutzenden Mitgliedsunternehmen und –Instituten eingeflossen sind.

Fachvorträge beleuchten Potential von AM in Automobil- und Maschinenbau

In Form von Fachvorträgen lief der Erfahrungsaustausch auch bei der Mitgliederversammlung weiter. Für ARBURG stellte Martin Neff die Möglichkeiten vor, mit dem Kunststoff-Freiformen(AKF) unter Verwendung qualifizierter Standardgranulate Großserienbauteile zu individualisieren. Für medizintechnische Anwendungen zertifizierte Kunststoffe ermöglichen zudem die Anfertigung individuell angepasster Implantate. Wenn gewünscht, lösen diese sich nach und nach im Körper auf – und werden von nachwachsenden Knochenzellen ersetzt. Daneben seien mit dem AKF-Verfahren auch Zwei-Kunststofflösungen und individuelle Bauteile aus leitfähigen Materialien realisierbar.

Für AUDI nahm Dr. Ruben Heid eine Potentialanalyse additiver Verfahren vor. Seit 2014 ist er bei dem Automobilhersteller am Aufbau eines Technikums für Additive Manufacturing beteiligt. Dort hat Audi erste Projekte durchgeführt, um bisher geschweißte Baugruppen für die Verbindung von Fahrwerk und Karosserie zu komplexen Einzelteilen zu fusionieren, die additiv gefertigt werden. Auch Knotenstrukturen im Aluminium-Spaceframe wurden versuchsweise per AM realisiert.

Die Möglichkeit, Gewicht einzusparen und vorher nicht realisierbare Geometrien zu fertigen, wiegen laut Heid allerdings im Normalfall die Mehrkosten nicht auf. In der Großserienfertigung sieht der Experte daher vorerst keine Chance für den Einsatz von AM-Bauteilen, obwohl deren Qualität und mechanische Eigenschaften überzeugen. Dagegen sind additive Verfahren zur Fertigung von Betriebsmitteln vielversprechend. Etwa indem konturnahe Kühlkanäle für Druckgussformen Taktzeiten in der Serienproduktion verkürzen. Auch für die Fertigung von nicht mehr verfügbaren Ersatzteilen verspricht AM Potential. Heid berichtete von einem Fall, in dem AUDI seine freiwillige Ersatzteilgarantie für 15 Jahre nur mithilfe additiver Metallbauverfahren erfüllen konnte. Eine weitere Anwendung sieht er im Bereich hochklassiger Kleinserienmodelle. Dafür allerdings müsse die Technologie aber um Größenordnungen produktiver werden. Automatisierung der bisher manufakturartigen Prozesse sei sowohl aus Qualitäts- als auch aus Kostengründen unabdingbar.

Im Pumpenbau bereits ein Serienverfahren

Ein ganz anderes Bild zeichnete Franz Bosbach, Leiter des Innovations-Portfolios bei der KSB AG in Frankenthal. „Im Pumpenbau sprechen wir ab Stückzahl zwei von Serienfertigung“, sagte er. AM-Verfahren seien wegen der Vielfalt der Bauteile relevant. Gerade mit Blick auf schnellere Versorgung mit Ersatzteilen: Von sechs bis zwölf Wochen könne man die Lieferzeiten mithilfe der additiven Fertigung teils auf eine Woche reduzieren. „Auch können wir mit additiven Verfahren Geometrien realisieren, die sich unsere Hydraulikspezialisten immer gewünscht haben, die bisher aber schlicht nicht zu fertigen waren“, sagte er. Letztlich könne man mit AM nicht nur günstiger, materialeffizienter und schneller fertigen, sondern dank der neuen Möglichkeiten der Verfahren auch die Energieeffizienz der Pumpen steigern. Angesichts des enormen Energiebedarfs – auf Pumpen entfällt laut Bosbach ein Zehntel des globalen Stromverbrauchs – ist diese Option aus Sicht der Pumpenbauer und ihrer Kunden hoch interessant. Sein Fazit: „Additive Manufacturing funktioniert“.