Interview mit Ulli Klenk, Vorstandsvorsitzender der AG Additive Manufacturing

VDMA

„Mein Ziel ist die Industrialisierung des Additive Manufacturing", ...

Interview mit Ulli Klenk, Leiter von Business Development OEM Automatisierungssysteme in der Digital Factory Division von Siemens in Nürnberg.

Wann und wie sind Sie erstmals auf Additive Manufacturing gestoßen?
Klenk: Das war vor circa sechs Jahren über das Rapid Prototyping. Damals kamen die additiv gefertigten Rohlinge mit Stützstrukturen zurück und ich habe gedacht: whow, dafür müsste es sehr interessante Serienanwendungen geben. Aber damals war es noch nicht so weit.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte im Additive Manufacturing?
Klenk:
Hier in der Digital Factory Division geht es um die Automation industrieller Prozesse – also Steuerungen, Messtechnik, Software. Das prägt meinen Blick auf das Additive Manufacturing. Heute sind die manuellen Anteile in den Prozessketten der additiven Fertigung hoch. Gleiches gilt für die Ausschussraten und für den Aufwand der Qualitätsprüfung. Grundlage, um das zu ändern, ist ein ganzheitliches Verständnis der Prozesse – vom Material, über die exakten physikalisch-chemischen Vorgänge im Prozess, die Mechanik und nicht zuletzt die Nachbearbeitung und nachgelagerten Qualitätsprüfungen. Erst ein komplett durchdrungener Prozess inklusive Vorketten und Nachbehandlung lässt sich sinnvoll automatisieren. Um Additive Manufacturing aus dem heutigen Labormaßstab zum reifen industriellen Verfahren zu entwickeln, ist diese ganzheitlich gedachte und vorbereitete Automation unabdingbar – bis hin zum Recycling überschüssigen Materials.

Mit welchen Zielen und Interessen haben Sie sich der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing angeschlossen?
Klenk: Wir haben uns in Deutschland eine sehr gute Ausgangslage erarbeitet, um das Additive Manufacturing zu industrialisieren. Die AG kann eine sinnvolle Plattform sein, um die anstehenden Aufgaben koordinierter anzugehen. Wir stehen mit der heutigen Anlagentechnik noch ganz am Anfang. Ein Ziel muss es sein, bei Schwankungen im laufenden Prozess nachregeln zu können, um den Ausschuss zu minimieren. Das setzt Inline-Prozeßüberwachung voraus. Klingt aufwändig - doch wo Prozesse fortlaufend überwacht und dokumentiert werden, sinkt der zeitliche und finanzielle Aufwand der nachgelagerten Qualitätsprüfung. Für die Effizienzsteigerung des Gesamtprozesses ist hier aus meiner Sicht weit mehr zu holen, als durch das Integrieren weiterer Laser in die Anlagen. Wobei mit Blick auf die industrielle Serienfertigung natürlich auch der Durchsatz der einzelnen Anlage steigen muss.

Was wollen Sie als Vorstand der AG erreichen?
Klenk: Ich möchte die Industrialisierung des Additive Manufacturing erreichen. Das klingt sehr groß. Aber die AG ist eine gute Basis. Wir haben als Wirtschaftsstandort eine sehr gute Ausgangslage in einer Technologie, die viele industrielle Prozesse verändern wird. Die Möglichkeit, im schichtenden Aufbau komplexe, bisher nicht zu realisierende Geometrien zu fertigen, wird in vielen Bereichen zu neuartigen Bauteilen mit überlegenen Funktionen führen: Strömungs- und gewichtsoptimiert, dank einer stark reduzierten Zahl von Einzelteilen robuster und montagefreundlicher, zudem mit vergleichsweise geringem Aufwand für jede Anwendung individualisierbar. Daneben die vereinfachte Verarbeitung von Super-Alloys ohne thermische Nachbehandlung und die weitreichenden Chancen im Bereich Ersatzteile-on-Demand – alles das zeigt das enorme Potential des Additive Manufacturing.  Mein Anliegen ist es, dass wir als Community mit vielen schlauen Köpfen unsere Chancen in diesem Markt ergreifen. Wir müssen raus aus den Labors und rein in die industrielle Produktion!

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