„Additive Manufacturing ist fester Bestandteil unserer künftigen Produktionsstrategie“

Schaeffler

Jahresmitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA in Herzogenaurach - AM etabliert sich im Technologiekonzern - Führungen in AM-Experience- und Digital Experience Center in Erlangen runden Programm ab

Frankfurt, 14. Mai 2019 – „Wir blicken auf das bisher spannendste und beste Jahr im Additive Manufacturing (AM) zurück. Und auch 2019 fühlt sich sehr gut an“, erklärte Christoph Hauck, Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA letzte Woche (9. Mai) zum Auftakt der AG-Mitgliederversammlung 2019 am Hauptsitz der Schaeffler Technologies AG & Co. KG in Herzogenaurach.

„AM wird erwachsen und ist auf bestem Weg zur Industrialisierung“, berichtete Hauck, der als Geschäftsführer des Fertigungsdienstleisters MBFZ toolcraft seit 2005 mit additiven Verfahren vertraut ist. Fortschritte in der AM-Anlagentechnik, Weiterentwicklungen der digitalen Prozessketten und das wachsende Angebot an Automatisierungskonzepten und Materialien sind laut Hauck klare Hinweise auf zunehmende Reife. Auch Ankündigungen der Automobilindustrie, AM nicht erst ab 2035, sondern mit Blick auf neue Anforderungen der Elektromobilität ab 2025 in Serienprozessen etablieren zu wollen, sieht er als gutes Signal. „Dass AM in der Nationalen Industriestrategie von Bundeswirtschaftsminister Altmaier verankert ist, und die Bundesregierung 30 Mio. Euro Fördergeld für Projekte zur Linienintegration von AM im Automobilbau und für Anwendungen der Luft- und Raumfahrt sowie im Energiesektor bereitstellt, ist sehr positiv“, sagte Hauck.

Fester Platz in Produktionsstrategie von Schaeffler Technologies

Positive Botschaften für die junge AM-Branche sandte auch Gerhard Baum aus. Der Chief Digital Officer (CDO) der gastgebenden Schaeffler Gruppe erläuterte, wie der Technologiekonzern die anstehende digitale Transformation angeht und welche Auswirkungen auf die Produktionsstrategien damit einhergehen werden. „Jetzt, wo sich mehr verändert als in den letzten einhundert Jahren, sind solche Arbeitskreise wie der Ihre sehr wichtig“, erklärte er mit Blick auf Großprojekte wie das automatisierte Fahren, die Elektromobilität und die Neuorganisation der Mobilität in den weltweit stark wachsenden urbanen Ballungszentren, „denn es geht darum, gemeinsames Denken, Erkennen und Handeln zu entwickeln, um diesen Wandel effektiv zu gestalten“. Als integrierter Technologiekonzern, der von Fahrzeugkomponenten über Lösungen für Energieketten bis hin zu neuen Ansätzen wie bio-hybriden Fahrzeugkonzepten umfassend in der Entwicklung der „Mobility for tomorrow“ eingebunden ist, möchte Schaeffler diesen Wandel gestalten.

Digitale Technologien von Big-Data, über Cloud-/Edge-Lösungen bis Artificial Intelligence werden die Industrie und Schaeffler selbst laut Baum von Grund auf verändern. Diesen Prozess gelte es, angesichts starker globaler Wettbewerber zu beschleunigen; auf Produktebene und in der Produktionsinfrastruktur. Denn eine Welle der Veränderung rollt an: Elektro-/ Hybridantriebe, Brennstoffzellen, digitales Bremsen, Federn und Lenken, Robotertaxis, Car-Sharing-Dienste und neue datenbasierte Geschäftsmodelle. Neue Ökosysteme mit Partnern sowie  neue Entwicklungsplattformen müssen her. Technologische Offenheit wird zum Muss. Und hier komme Additive Manufacturing ins Spiel. „Wir brauchen deutlich flexiblere variable Produktionssysteme und dezentrale Ansätze“, erklärte Baum. Schaeffler entwickle sein bisheriges Lean-Produktionssystem daher konsequent mit digitalen Lösungen, um schneller zu werden und Veränderung schneller umsetzen zu können. „Im neuen Produktionssystem hat Additive Manufacturing einen festen Platz“, sagte er. Im Zusammenspiel mit neuronalen Netzen für die Qualitätssicherung und Produktionssteuerung werde die additive Fertigung zum zentralen Element der digitalen Produktionsstrategie. Dies erst im Automotive After-Market für eine schnelle dezentrale Ersatzteilversorgung, später auch im Bereich der Volumenfertigung.

Entwicklung der AG Additive Manufacturing

Mit rund 80 Teilnehmern war die Mitgliederversammlung die bisher größte seit sich Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing vor fünf Jahren gegründet hat. Die Zahl der Mitgliedsfirmen ist laut Rainer Gebhardt, AG AM Projektleiter im VDMA, seitdem auf 143 gewachsen. Darunter Anbieter von AM-Anlagen und Zulieferer, Fertigungsdienstleister und eine hohe Anzahl industrieller Anwender. Daneben tragen Software- und Automatisierungsspezialisten sowie führende Forschungsinstitute ihr Knowhow in die Arbeitskreise hinein.

Arbeitssicherheit – Fraunhofer Experte zeigt positive Perspektiven auf

In Herzogenaurach übernahm Mario Schafnitzel, Arbeitssicherheitsexperte der Fraunhofer-Einrichtung für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV Augsburg diese Rolle. Er berichtete über jüngste Forschungen und Standardisierungsbemühungen für sichere Arbeitsprozesse in der additiven Verarbeitung von Metallpulvern. Personenbezogene und stationäre Messungen am Arbeitsplatz hatten laut Schafnitzel keine besorgniserregenden Befunde zur Folge. Grenzwertüberschreitungen gab es nur in einem Fall, in dem das Pulver von Hand gesiebt wurde. „Als Schutzmaßnahme war hier das Tragen einer Staubmaske ausreichend“, berichtete er. Die Forschungsergebnisse habe man in Fachausschüsse zur Standardisierung hineingetragen. Ende 2019 seien zwei spezifische VDI-Richtlinien (VDI 3403 Blatt 6.1 und 6.2) zum Arbeitsschutz im AM-Bereich zu erwarten. Auch arbeite man an kompakten Sicherheits- und Arbeitsschutzempfehlungen entlang additiver Prozessketten, um die Anwender gezielt in diesem komplexen Themenbereich zu unterstützen.

Zunehmende Reife und hohe Entwicklungsdynamik

Schafnitzels Ausführungen, aber auch die Erfolgsgeschichte der Partnermesse formnext oder die konkreten Ansätze zur Marktforschung durch Unternehmen wie Ampower sieht Dr. Markus Heering, Geschäftsführer der AG AM im VDMA als deutliche Belege für die zunehmende Reife der Branche. „Wir haben uns vor fünf Jahren das Ziel gesetzt, eine Plattform für die schnelle Industrialisierung der Technologie zu entwickeln“, erklärte er. „Dieses Ziel ist erreicht. Wir sehen eine hochdynamische Entwicklung und eine rasante Zunahme von industriellen Anwendungen additiver Verfahren“, so Heering. Sascha F. Wenzler, Vice-President der formnext hatte zuvor vom rasanten Wachstum der formnext und aktuellen Internationalisierungsstrategien berichtet. Matthias Schmidt-Lehr warb bei den AG-Mitgliedsfirmen für die Teilnahme an Marktstudien seiner Ampower GmbH, um gemeinsam eine Datenbasis zur Marktentwicklung zu schaffen, die AM-Akteure fundierte strategische Entscheidungen ermöglichen soll.

Zum Abschluss der Mitgliederversammlung hatte Siemens die AG-Mitglieder zu Führungen in das Additive Manufacturing Experience Center und in das Digital Experience Center ins nahe Erlangen eingeladen. Beim Eintauchen in komplett integrierte digitale Zukunftswelten blitzte manche Vision auf, wie AM künftig zur digitalisierten Lean Production beitragen kann. „Angesichts der hohen Dynamik, mit der sich AM aktuell entwickelt, könnten diese Visionen sehr viel schneller wahr werden, als wir es uns heute vorstellen können“, erklärte Heering.