Erwartungen der AM-Branche positiv

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Neue Mitgliederumfrage der AG Additive Manufacturing im VDMA

„Die Stimmungslage unserer Branche bleibt trotz der momentan spürbaren Auswirkungen der Corona-Krise von Zuversicht geprägt“. So fasst Dr. Markus Heering, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA, die Ergebnisse einer aktuellen Mitgliederbefragung zusammen. An der Umfrage hatten im April – inmitten des Corona-bedingten Lockdowns – knapp 80 Mitglieder teilgenommen. Besonders stark vertreten waren Fertigungsdienstleiter, Anwender und Maschinenhersteller.

Ins Auge sticht, dass 75 Prozent der Befragten ihre Geschäftsaussichten für die kommenden 24 Monate positiv einschätzen, während nur 6 Prozent eine Verschlechterung ihrer Geschäftslage erwarten. Selbst die Kurzfrist-Prognose für die nächsten zwölf Monate fällt bei je 39 Prozent positiv oder zumindest unverändert aus. Nur ein Fünftel (22 Prozent) der Befragten befürchtet eine negative Entwicklung. „Verglichen mit unserer letzten Mitgliederbefragung im September 2019 bleibt der Optimismus nahezu ungebrochen“, erklärt Heering. Seinerzeit hatten 77 Prozent der Mitglieder die Aussichten für die kommenden 24 Monate positiv eingeschätzt – nur 2 Prozent mehr als jetzt. Verändert haben sich in erster Linie die kurzfristigen Erwartungen.

Unternehmen verfolgen trotz Krise ihre Investitionspläne

Heering zeigt sich vom positiven Stimmungsbild überrascht, hält es aber für in sich konsistent. Denn die befragten Mitglieder unterstreichen ihren Optimismus durch unternehmerisches Handeln. „Jedes vierte Unternehmen gibt an, seine Investitionen zu erhöhen und weitere 44 Prozent planen in gleichbleibender Höhe zu investieren“, erläutert er. Gegenüber der Umfrage im September seien die Investitionspläne erstaunlich stabil. Dass nun 32 Prozent statt seinerzeit
16 Prozent der Befragten ihre Investitionen zurückfahren wollen, sei angesichts der Krise nachvollziehbar. „Im Umkehrschluss heißt das, dass zwei Drittel der Befragten ihr Investitionsniveau halten oder sogar steigern wollen“, sagt Heering. Er sieht darin einen Beleg für die Motivation und Entschlossenheit der jungen Branche.

AM fasst in Serienproduktion Fuß – und entschärft Lieferengpässe 

Eine weitere Ursache für die Zuversicht der Mitgliedsfirmen sieht Heering in der wachsenden technologischen Reife. So geben 41 Prozent der Befragten an, additive Verfahren in den nächsten 12 Monaten hauptsächlich im Serieneinsatz nutzen zu wollen. Dagegen ist die Anwendung von Prototypen, Mustern sowie von additiv gefertigten Werkzeugen und Ersatzteilen leicht rückläufig. „Mit dem zunehmenden Serieneinsatz verschieben sich die Anforderungen“, berichtet er. Das Augenmerk der Mitglieder verschiebe sich in Richtung Kosten, Stabilität und Geschwindigkeit der AM-Prozesse. An Relevanz gewinnen laut Umfrage zudem die Themen Standardisierung, Automatisierung und Qualitätssicherung. Heering deutet dies als klaren Hinweis auf den Reifungsprozess der Branche.

Ein Drittel der Befragten hat in der Corona-Krise von diesem technologischen Fortschritt des Additive Manufacturing profitiert. So gaben 34 Prozent an, dass sie Corona-bedingte Lieferengpässe mithilfe von additiv gefertigten Bauteilen umgehen konnten. Auch vor diesem Hintergrund sehen die Unternehmen die Pandemie eher als Treiber für den Einsatz additiver Fertigungsverfahren, denn als Hindernis. Mehr als die Hälfte glaubt, dass die Bedeutung von AM infolge der Corona-Krise steigen wird. Dagegen befürchten nur 5 Prozent einen Bedeutungsverlust.

„In der Krise wird Additive Manufacturing als flexible und schnell adaptierbare Enabler-Technologie wahrgenommen“, sagt Heering. Weltweit hätten sich in kürzester Zeit Plattformen zusammengefunden, um mit additiven Verfahren kurzfristig auf akuten Bedarf an Schutzausrüstung, Hilfsvorrichtungen und an Komponenten für medizintechnische Geräte zu reagieren. „Obwohl das wegen der Regularien in diesem Bereich nicht immer auf Anhieb möglich war, ist ins öffentliche Bewusstsein gerückt, dass Additive Manufacturing wie geschaffen für Notsituationen und außergewöhnliche Anforderungen ist“, erklärt er. Auch das dürfte zur insgesamt positiven Stimmungslage der Branche beitragen.