„Heutige Probleme werden 2030 durch Automation und Integration gelöst sein“

AM Solutions

Interview mit Manuel Laux, Head of AM Solutions

Unter der Marke AM Solutions bietet die Rösler Gruppe Lösungen speziell für die Anforderungen im Additive Manufacturing an. Im Zentrum steht das seit den 1930er Jahren aufgebaute oberflächentechnische Know-how – neben Lösungen zum Entpacken und Entpulvern, sowie Fertigungs- und Entwicklungsdienstleistungen. Manuel Laux, Head of AM Solutions, spricht im Interview, über Automatisierung im Post-Processing und integrierte AM-Prozessketten im Jahr 2030.

Können Sie uns AM Solutions kurz vorstellen?

Manuel Laux: Wir sind eine Marke der Rösler Gruppe, die seit 80 Jahren auf Oberflächentechnik spezialisiert ist. Als „Full-Solution-Provider“ liefert Rösler Maschinen, Verfahrensmitteln und Prozesse, mit denen Kunden ihre jeweils benötigten Oberflächeneigenschaften realisieren. Mit unserer Gleitschliff- und Strahltechnik, spezifischen Schleifkörpern und Strahlmitteln sowie Entgrat- und Waschanlagen lassen sich Oberflächen homogenisieren, ebnen und reinigen. Rösler hat über 1.800 Mitarbeiter an 15 Standorten weltweit. Zudem betreiben wir Testzentren, in denen wir mit unseren Kunden optimale Prozesse für deren Anforderungen entwickeln. Hier haben wir es seit einigen Jahren immer öfter mit AM-Bauteilen zu tun. Den Trend haben wir aufgegriffen und bieten mit AM Solutions nun Lösungen für die Anforderungen im Additive Manufacturing an.

Welchen Bereich der additiven Wertschöpfungskette decken Sie ab?

Laux: Für das 3D-Post-Processing bieten wir über ein Dutzend verschiedener Maschinen für das Entpulvern, das Entfernen von Supportstrukturen sowie die Oberflächenbehandlung an. Die Lösungen bauen auf Know-how auf, das Rösler in der herkömmlichen Fertigung erworben und gezielt auf die additive Fertigung übertragen hat. Neben dem Post-Processing betreiben wir die AM Solutions 3D printing services, und wir unterstützen unsere Kunden bei der Verfahrens- und Prozessentwicklung.

Aus welchen Branchen kommen Ihre Kunden?

Laux: Das Spektrum ist breit gefächert, Automotive, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt, Maschinenbau und einige mehr. In der Regel haben unsere Kunden sehr hohe Anforderungen an AM-Bauteile und deren Oberflächen.

Im Post-Processing ist Automatisierung ein großes Thema. Wo steht AM Solutions diesbezüglich?

Laux: Unsere Maschinen decken ein breites Spektrum ab: Vom Entpacken und automatisierten Entpulvern der Bauräume und Bauteile samt Innenkanälen, das Entfernen von Supportstrukturen bis hin zum automatisierten Homogenisieren, Schleifen, Glätten oder (Hochglanz-) Polieren der Bauteiloberflächen. Auch das Einfärben oder Beschichten bieten wir in Kooperation mit externen Partnern an. Das Gros unserer Maschinen ist für Metall- und Kunststoffteile geeignet, wobei natürlich unterschiedliche Schleifkörper, Strahlmittel und Prozessparameter im Einsatz sind. Dank des hohen Automatisierungsgrads und unserer Erfahrung können sich unsere Kunden auf reproduzierbare Oberflächenqualität verlassen. Wir bieten skalierbare industrielle Lösungen, die vollautomatisierte Prozesse umsetzen. Nur die Zuführung und Entnahme der Bauteile erfolgt meist manuell, da es sich von den Stückzahlen her noch nicht lohnt, zu automatisieren. Doch machbar ist es: Wir haben bereits vollautomatisierte Lösungen umgesetzt. Zur Einbindung in 4.0 Prozessketten setzen wir auf OPC UA-Schnittstellen.

Welche Rolle spielt ihr Testzentrum?

Laux: Es ist unser Herzstück. Wenn uns Kunden ihre Bauteile zuschicken und vorgeben, welche Qualität sie in welcher Prozessdauer anstreben, dann fahren wir Tests und entwickeln iterativ den Prozess samt fundierter Kostenanalyse auf der Basis des Maschinentyps, der Verfahrensmittel und der Prozessparameter.

Welches Potenzial trauen Sie AM in der industriellen Fertigung zu?

Laux: AM Solutions ist unser jüngstes Geschäftsfeld. Die Tatsache, dass wir schon so viele Maschinen und Services anbieten zeigt, welche strategische Bedeutung wir dem Thema beimessen. AM ist eine hervorragende Ergänzung zu konventionellen Fertigungsverfahren und wird einen signifikanten Anteil an der industriellen Produktion übernehmen.

Wie stellen Sie sich typische AM-Prozessketten im Jahr 2030 vor?

Laux: Die Prozess- und Materialkosten sind bis dahin gesunken, während die Integration der Prozesskette weit höher ist als heute. Was AM Solutions aktuell in kleinen Maßstab betreibt, wird 2030 die Regel sein: Kunden geben vor, wie ihr AM-Bauteil aussehen soll und welche mechanischen Anforderungen es zu erfüllen hat, und bekommen dann ein Angebot aus einer Hand; ganz gleich ob Metall oder Kunststoff, ob poliert, gefärbt oder beschichtet. Heute ist der Markt unübersichtlich und die Prozesskette fragmentiert. Der Kunde bekommt keine Qualitätsgarantien, weil Nachbearbeiter nicht wissen, in welcher Qualität AM- Bauteile sie erreichen und umgekehrt die Druckdienstleister nicht wissen, wie sorgfältig im überwiegend manuellen Post-Processing gearbeitet wird. Durch Automation und Integration werden solche Probleme bis 2030 gelöst sein.

Mit welchen Zielen haben Sie sich der Arbeitsgemeinschaft Additive Manufacturing im VDMA angeschlossen?

Laux: In der Arbeitsgemeinschaft sind viele Key-Player vertreten, die ebenso wie wir selbst auf Vernetzung setzen. In den Arbeitsgruppen können wir uns auf konstruktivem Level über Firmengrenzen hinweg austauschen, uns bei Themen wie der Automatisierung auf eine gemeinsame Basis verständigen – und Kräfte bündeln. Wir sind dort am Puls einer Entwicklung, die wir mit anderen Akteuren der AM-Branche gemeinsam gestalten möchten.