Richtiger Umgang mit Metall- und Kunststoff-Pulver beim Additive Manufacturing

Shutterstock

Am 1.7.2020 trafen sich online fast 50 Teilnehmer zum Erfahrungsaustausch „Pulverhandling und Arbeitssicherheit“. Das Event war ursprünglich am IGCV in Augsburg geplant.

Teil I: Metallpulver

Am Vormittag stellte Prof. Seidel in seiner Funktion als Vorsitzender des ISO TC 261 den Status Quo und seine Einschätzung zur Arbeitssicherheit vor. Die bestehenden Empfehlungen und Richtlinien schaffen ein gutes Maß an Sicherheit und praxisnaher Umsetzungsmöglichkeiten. Untersuchungen zu Pulver-Kontamination im Arbeitsumfeld erlauben auch eine realistische Einschätzung der Gefahrenpotenziale. Mario Schafnitzel vom Fraunhofer IGCV berichtete von Untersuchungen, die ein ausreichenden Abstand zu den Grenzwerten bei Messungen an Produktionsmaschinen bestätigen.

Technische Lösungen rund um die Pulverhandhabung stellten Boris Frühauf von ULT und Dr. Damien Buchbinder von der Trumpf AG vor. Sowohl Filter im Gas-Kreislauf als auch Absaugungen an Maschinen und Arbeitsplätzen sorgen für die Reduzierung der Gefahrstoffe. Auch Anlagenkomponenten, die eine automatisierte Handhabung der Bauteile und Pulverbehälter erlauben, sorgen für den Schutz der direkt und indirekt Beteiligten. In diesem Zusammenhang kam eine angeregte Diskussion zu Inertisierung und EX-Schutz bzw. Bauteilqualität auf. Das Interesse an Kennwerten zu Pulvercharakterisierung und auch Handlungsempfehlungen im Bereich der Entsorgung / Reinigung wurde von vielen Teilnehmern geteilt.

Das Interesse an Kennwerten zu Pulvercharakteristik insbesondere bzgl. Ex-Schutz und auch Handlungsempfehlungen zur Entsorgung / Reinigung wurde von vielen Teilnehmern geteilt.

Teil II: Kunststoff

Am Nachmittag wurden von Oliver Refle, dem Leiter der Abteilung AM am IPA die Richtlinie VDI 3405, 6.2 vorgestellt, in der Empfehlungen für den Umgang mit dem Kunststoffpulver zusammengestellt sind. Auch wenn im Kunststoffbereich weniger Gefahrpotenzial gesehen wird als im Metallbereich, ist doch mit dem Übergang der additiven Fertigung vom Prototyping zur High-Tech-Fertigung die Arbeitssicherheit ein wichtiger Aspekt. Dennis Sippach, Mitgründer der IVOC-X aus Jena, stellte unterschiedliche Faktoren der möglichen Gesundheitsgefährdung sowie Filter- und Verbrennungstechnologien zur Vermeidung von Stäuben und Emissionen am Arbeitsplatz und der Umgebung vor.

Giovanni Vlemincks berichtete von der industriellen Produktion an unterschiedlichen Standorten der Firma Materialise. Große Volumen, sehr unterschiedliche Anwendungsfelder und hoher Qualitätsstandard bestimmen die individuellen Lösungen im Pulverkreislauf. Auch Kai Kegelmann betonte den Qualitätsstandard, für den ein professionell geführter Materialkreislauf entscheidend ist. Regelmäßige Pulveruntersuchungen und die Dokumentation der Zusammenhänge zwischen Pulvereigenschaften und Prozess- sowie Bauteilqualität erlauben bei Firma Kegelmann eine zuverlässige Fertigung.

Der Teilnehmerkreis aus dem Kunststoffbereich bestätigte den Bedarf nach realistischen Einschätzungen möglicher Belastungen im Umfeld der Fertigung und Handhabung von SLS-Prozessen.